Sensorik - die Macht der Sinne
Der Autor Roman Anlanger ist öfters zu Gast in der kretischen Taverna „Lefteris“, die im 3. Wiener Gemeindebezirk liegt. Ein hervorragendes Lokal, das für seine Qualität weit über die Grenzen Wiens hinaus bekannt ist. Während eines Gespräches mit dem Lokalbesitzer bemerkte der Autor eine „Kompoloi“ in den Händen des Griechen, der ständig damit spielte. Das Kompoloi ist die orthodoxe Variante einer Gebetsschnur, die dem Rosenkranz entspricht. Auf dieser Schnur sind entweder Knoten oder Perlen angebracht, wobei diese in fünf Zehnergruppen angeordnet sind. Am Anfang solcher Gebetsschnüre ist meistens ein Kreuz eingeflochten. Das griechische Kompoloi wird auch in säkularisierter Art und Weise wie zB als Zeitvertreib oder als Entspannungshilfsmittel verwendet. Dabei wird sie mit Hilfe von verschiedenen Techniken durch die Hand des Besitzers durchgezogen. Durch das soziale Lernen ist das Kompoloi ein integrierter Bestandteil der griechischen Identität.
Welches Merkmal an dem Kompoloi bemerkte jedoch der Autor? Statt eines traditionellen Kreuzes war am Anfang dieser Gebetsschnur das Logo eines griechischen Ouzo-Fabrikanten in Form eines Metallsymbols angebracht. Und jedes Mal, wenn Herr Lefteris die Gebetsschnur durch seine Finger gleiten ließ, berührte er auch das Firmenlogo. Mit anderen Worten: Die Haptik kam hier als zusätzlicher Sinneskanal zum Tragen. Warum ist dies so wirkungsvoll? Die nachfolgende Grafik zeigt, dass man sich Lerninhalte (Produktbotschaften) umso intensiver merkt, je mehr sensuale Wahrnehmungskanäle aktiv sind.
Gemerkt/behalten werden:
10% des Gelesenen
20% des Gehörten
30% des Gesehenen
50% des Gehörten und Gesehenen
= passive Informationsvernetzung80% des Selbst-wieder-Gesagten (jemand anderen etwas erklären)
90% des Selbst-Getanen
aktive Informationsvernetzung
Aufgrund der Produktwerbung kennt der Gastronom die Ouzo-Marke bereits und führt diese auch auf der Getränkekarte in seiner kretischen Taverna. Durch den zusätzlichen Einsatz eines haptischen Hilfsmittels, in diesem Beispiel das Kompoloi, und durch die Koppelung an den Spieltrieb bzw. das Spielmotiv des Besitzers, wird eine Erhöhung der Informationsvernetzung erreicht und somit ein besseres Behalten der Werbebotschaft ausgelöst.
Was können Sie aus diesem Beispiel lernen? Geben Sie der haptischen Komponente einen fixen Platz in Ihrem Marketingkonzept. Suchen Sie nach Alltagsgegenständen, die von Ihrer Zielgruppe verwendet werden und koppeln Sie diese mit dem Spielmotiv. Sie könnten z.B. ein eigenes „Mensch-Ärgere-Dich-Nicht“-Spiel herausbringen und die Figuren durch ihre Produkte ersetzen. Denkbar wäre, dass die Figuren bei einem Getränkehersteller die Form einer Dose haben oder bei einem Autofabrikanten könnten die Figuren durch kleine Spielzeugautos substituiert werden.
Mehr zum Thema „Sensorik – die Macht der Sinne“ erfahren Sie im Buch ab Seite 245 im Kapital „Der trojanische Pfeil“.
- Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben

