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Es geht um mehr als List und Schlauheit: Rezension von Werner T. Fuchs (Top 1 Rezensent bei Amazon)


Wenn ich Studenten daran erinnere, dass Marketing und Werbung auch die Absicht zum Manipulieren beinhalten, gibt es immer einige, die das bestreiten oder nicht hören wollen. Aber da ich Marketing als Beeinflussung menschlichen Wahlverhaltens sehe und mich mit den Vorgängen in den Köpfen der Konsumenten beschäftige, kann ich gar nicht zu einem anderen Schluss kommen. Roman Anlanger und Wolfgang A. Engel scheinen das ähnlich zu sehen. Und der Erfolg gibt ihnen ebenso Recht wie die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung. Schliessen wir das endlose Thema von der Rechtmässigkeit des Manipulierens mit dem Hinweis ab, dass Marketing der Hammer ist - nicht der Nagel. Wofür ich ein Werkzeug brauchen will, kann ich als selbständiger Unternehmen dann selber entscheiden.
 
Da die Geschichte vom trojanischen Pferd selbst der Zapper-Generation noch bekannt ist, bleibt der Titel haften. Doch er könnte den Eindruck erwecken, der Leser erhalte ein Lehrbuch für List und Schlauheit. Darüber erfährt er zwar einiges, aber eben nicht nur. Anlanger, Engel und ihren Co-Autoren geht es um mehr. Sie wollen dem Leser das Handwerk beibringen, wie er das Unbewusste ansprechen kann, wie er auf indirekten Wegen zum Ziel gelangt und wie er zu guten Ideen kommt. Dass er daneben auch viel Erhellendes über das Wesen Mensch erfährt, gehört zu den vielen Mehrwerten dieses Buches.
 
Bei der starken Konkurrenz an solchen Werken stellt sich natürlich die Frage, warum man gerade zu diesem Buch greifen soll. Ich meine, dass es sich vor allem in zwei Punkten abhebt. Die Autoren predigen Wein und trinken auch Wein. Sprich, sie vermitteln den Stoff nach den gleichen Regeln, die sie empfehlen. Daher erzählen sie Geschichten, warten mit Überraschungen auf, fassen Wesentliches in anschaulichen Bildern zusammen und führen ein unterhaltsames Stück mit Inhalt auf. Für den anderen Punkt sind die Beispiele verantwortlich. Durch sie wird die graue Theorie farbig. Und weil es nicht die sattsam bekannten Fallgeschichten aus den Best-Practice-Büchern sind, schenken wir den beschriebenen Anwendungen auch die notwendige Aufmerksamkeit. Selbst die unvermeidliche Konzession an die Checklisten- und Kästchenliebhaber ist für einmal erträglich. Denn auch hier werden die Autoren ihrem Anspruch gerecht, ihre Leser mit Neuem und eigenständiger Verpackungskunst zu überraschen.
 
Mein Fazit: Wegen eines eigenen Beitrags alles andere als neutral und objektiv, empfehle ich das Buch wärmstens zur Lektüre. Roman Anlanger und Wolfgang A. Engel haben ein Rezeptbuch verfasst, das auch dann zum Erfolg führt, wenn man selber noch nicht zu dem grossen Meistern gehört. Das liegt vor allem daran, dass sie von einem Ansatz ausgehen, der auch mit dem übereinstimmt, was auf dem Marktplatz der Neurowissenschaften feilgeboten wird. Zudem vereinfachen sie die Dinge genau so stark, dass wir das Wesentliche im scheinbar Banalen entdecken. Ein Buch über Verführung, das selber verführt.